- 04. August - 16. August 1914 -

 

"Schlacht in Lothringen"

 

 

 Karte des Frontverlaufs in der Schlacht von Lothringen

 

 

Vorgeschichte

 

In seinem Feldzugsplan von 1905 (Schlieffen-Plan) hatte der damalige Chef des Preußischen Generalstabs Alfred von Schlieffen für den linken deutschen Flügel nur eine schwache Deckungsarmee von 4,5 Armeekorps (9 Divisionen) vorgesehen.


Der rechte Flügel mit der Hauptmacht des deutschen Feldheeres (36 Armeekorps) sollte durch Belgien vorrücken, dann nach Süden schwenken, Paris einschließen und den an der deutsch-französischen Grenze zwischen Metz und der schweizerischen Grenze stehenden französischen Hauptkräften in den Rücken fallen.


Schlieffen bezeichnete es damals als „Liebesdienst“ der Franzosen, wenn diese ihrerseits zu einem Angriff gegen den linken deutschen Flügel antreten und in Richtung Rhein vorstoßen würden.

Schlieffens Plan wurde von seinem Nachfolger Helmuth von Moltke weitgehend übernommen. Der endgültige, 1912 vom damaligen Chef der Operationsabteilung Erich Ludendorff ausgearbeitete Aufmarschplan wich aber von Schlieffens ursprünglichem Plan in wesentlichen Teilen stark ab.


Der linke deutsche Flügel wurde auf 8 Armeekorps verstärkt und damit im Vergleich zum ursprünglichen Plan fast verdoppelt. Das ist um so ungewöhnlicher, als Ludendorff gleichzeitig einen Angriff auf die belgische Grenzfestung Lüttich mit teilmobilisierten Truppen schon in den ersten Kriegstagen vorsah.

Dieser Angriff würde die Franzosen frühzeitig über die deutschen Absichten in Kenntnis setzen und einen französischen Angriff auf den linken deutschen Flügel um so unwahrscheinlicher machen.

 

 

Aufmarsch

 

Der Aufmarsch der Truppen begann bereits in den ersten Augusttagen. Mitte August 1914 gliederte sich der linke deutsche Flügel beginnend östlich Metz (von Nord nach Süd):

 

6. Armee (Kronprinz Rupprecht von Bayern) mit der 33. Reservedivision, dem III. und II. Bayerischen Armeekorps, dem XXI. Armeekorps, dem I. Bayerischen Reservekorps


7. Armee (General von Heeringen) mit dem I. Bayerischen Armeekorps, dem XIV. und XV. Armeekorps, dem XIV. Reservekorps, der 30. Reservedivision


Den deutschen Truppen gegenüber marschierten auf (von Norden nach Süden):


französische 2. Armee (General de Castelnau) mit der 68. und 70. Reservedivision, dem französischen XX., XV. und XVI. Armeekorps


französische 1. Armee (General Dubail) mit dem französischen VIII., XIII., XXI. und XIV. Armeekorps


Armee d’Alsace mit dem französischen VII. Armeekorps, der 58., 66. und 63. Reservedivison und der französischen 44. Infanteriedivision

 

 

Französischer Angriff und deutsche Ausweichbewegungen

 

Entgegen der Erwartung der Obersten Heeresleitung erfolgte der Angriff der französischen Hauptkräfte gegen den linken deutschen Flügel nur sehr zögerlich und mit weitaus geringerer Stärke als erhofft. Bis zum 19. August Abends war die 6. deutsche Armee dem französischen Vormarsch auf die Linie Metz-Saarburg ausgewichen und stand damit ca. 30 km hinter der damaligen deutsch-französischen Grenze.


Es wurde immer offensichtlicher, dass sich die Franzosen angesichts des deutschen Vormarsches in Belgien und der damit heraufziehenden Gefahr nicht noch tiefer in die ihnen zugedachte Falle hineinziehen lassen würden. Statt jedoch starke deutsche Kräfte aus Lothringen abzuziehen und dem rechten deutschen Flügel als Reserve nachzuführen, machte der Oberbefehlshaber der 6. Armee, dem auch die 7. Armee unterstellt war, den Vorschlag, trotz starker zahlenmäßiger Unterlegenheit der Deutschen, zum Angriff überzugehen und die Franzosen in einer offenen Feldschlacht zu stellen.


Dem wurde nach anfänglichen Zögern am 18. August von der Obersten Heeresleitung zugestimmt. Ob der Kronprinz wirklich geglaubt hat, dem deutschen Gesamtplan auf diese Weise dienen zu können oder die Schlacht aus purem persönlichen Ehrgeiz gesucht hat, kann objektiv nicht beurteilt werden.

 

 

Verlauf

 

Der Angriff der deutschen 6. Armee (Rupprecht von Bayern) an der Frontlinie Mörchingen-Dieuze-Saarburg erfolgte in den Morgenstunden des 20. August und traf die 2. französischen Armee (Castelnau) unvorbereitet.


Am rechten Flügel rückte das bayerische III. Korps (General Ludwig von Gebsattel) von Delme über Baronvilliers vor, das bayerische II. Korps (General Karl von Martini) drängte links anschließend die französische 70. Reservedivision zurück und nahm Armsdorf.


Im Zentrum der 6. Armee warf das XXI. Armee-Korps unter General Fritz von Below im frontalen Vorgehen auf Dieuze das französische XV. Korps (General Espinasse) zurück und gewann schnell an Gelände. Dabei erstürmte die 31. Division (Generalleutnant Albert von Berrer) Vergaville und die 42. Division (Generalleutnant Hasso von Bredow) besetzte Dieuze.


Am linken Flügel der 6. Armee brachen das bayerische I. Reservekorps (General der Infanterie Karl von Fasbender) und das bayerische I. Armeekorps (General der Infanterie Oskar von Xylander) den Widerstand des französischen VIII. Korps (General de Castelli) und eroberten Saarburg zurück.


Das Korps Gebsattel durchstieß am nördlichen Flügel die Linien der französischen 68. Reservedivision bei Delme und erreichte bis 21. August abends die Linie Delme - Fresnes.

 
 
7. Armee, August 1914
 

Der Angriff der deutschen 7. Armee verlängerte den deutschen Angriff nach Süden - von Saarburg bis nach Lützelhausen. Der Angriff auf den Donon, den Nordgipfel der Vogesen, mit dem man sich eine Flankenwirkung auf die französische 1. Armee (General Dubail) erhoffte, scheiterte anfangs unter schweren Verlusten.


Das deutsche XIV. Armeekorps (General der Infanterie Ernst von Hoiningen) kämpfte sich am linken Flügel der 7. Armee über Blamont siegreich bis Baccarat vor, weiter rechts erreichte das XV. Armee-Korps (General der Infanterie Berthold Deimling) Badonviller. Das XIV. Reservekorps (General der Artillerie Richard von Schubert), das durch die vorhergehenden Kämpfe im Elsass bereits abgekämpft war, errang im Vorgehen auf St. Die kaum Geländegewinne.


Bereits am Mittag des 22. August brachen die Franzosen die Schlacht ab und begannen sich auf die Festungskette Nancy-Épinal zurückzuziehen. Das bayerische II. Armeekorps und das XXI. Armeekorps verfolgten die Franzosen auf die Linie Luneville-Blainville-Gerbevillers-St. Pierremont, südlich davon drängten die Korps der Generale Faßbender und Xylander das französische XV. Korps (General Taverna) auf die Linie Avricourt-Blamont-St. Pole zurück.


Die 6. Armee verfolgte die französische 2. Armee in Richtung Mosel, wurde aber ihrerseits am 25. August durch einem starken Gegenangriff des französischen 20. Korps unter General Ferdinand Foch gegen ihre schwächere Nordflanke überrascht (Schlacht vor Nancy-Luneville), der den deutschen Vormarsch endgültig zum Stehen brachte.

 

 

Nachklang

 

 

Statt nun endgültig den Großteil der Truppen des Kronprinzen herauszuziehen und auf den rechten Flügel zu führen, wo sie immer noch rechtzeitig vor dem Beginn der Schlacht an der Marne eingetroffen wären, befahl nun die Oberste Heeresleitung der 6. Armee, die Festungskette vor Nancy-Épinal zu durchbrechen und den Vormarsch auf Paris anzutreten.


Das ist umso erstaunlicher, als man vor dem Krieg ein Durchbrechen dieser Festungslinie für unmöglich gehalten und aus diesem Grund die Verletzung der belgischen Neutralität erst in Erwägung gezogen hatte.

Da keine schwere Artillerie für die Belagerung der Festungen verfügbar war, blieben die Truppen der

6. und 7. Armee bis zum 05. September untätig vor der Festungskette liegen.


Erst nach dem Beginn der Schlacht an der Marne wurde der Großteil der Truppen und die beiden Armeeoberkommandos herausgezogen und auf den rechten Flügel geführt, wo sie jedoch erst nach der Niederlage der deutschen Armee und ihrem Rückzug an die Aisne ankamen.

 

 

Bewertung

 

Die Schlacht in Lothringen wurde oft als Musterbeispiel für die Überlegenheit des deutschen Soldaten angeführt. Trotz schlechter Führung hätten diese weit überlegene französische Eliteeinheiten in einer Frontalschlacht geschlagen und zum Rückzug gezwungen.


Mehr als die Unbekümmerheit und Furchtlosigkeit der Deutschen dürften andere, greifbarere Faktoren maßgeblich zu diesem zweifelhaften Sieg beigetragen haben. Die französische Feldartillerie besaß zu Beginn des Krieges nur flach schießende Feldkanonen, aber keine Steilfeuergeschütze (Haubitzen), mit denen im Bogenschuss verdeckte Ziele (insbesondere Maschinengewehrnester) bekämpft werden konnten.


Diese Geschütze waren, wie auch zahlreiche andere Neuerungen, während der Ära Schlieffen im deutschen Heer eingeführt worden und trugen maßgeblich zur Effizienz der deutschen Armee bei. Nicht zu unterschätzen waren auch die bequemen feldgrauen Uniformen der Deutschen, die sich im Vergleich zu den unbequemen, grell-bunten Uniformen der Franzosen viel weniger deutlich als Ziel ausmachen ließen.


Zudem hatte die französische Führung keine Absicht gezeigt, die Schlacht bis zur Entscheidung durchzukämpfen, sondern bereits in den Mittagsstunden des 20. August den Rückzug befohlen. Tatsächlich war die Schlacht ein taktischer Sieg für die Deutschen, der aber nur dann strategische Bedeutung erlangt hätte, wenn man nach dem Beginn des französischen Rückzuges unverzüglich mindestens eine der beiden Armeen vom linken Flügel des deutschen Heeres abgezogen und dem rechten Flügel, auf dem unweigerlich die Entscheidung fallen musste, nachgeführt hätte.


Der Durchbruch durch die Festungslinie musste dagegen scheitern. Tatsächlich genügten ab Ende August geringe französische Deckungskräfte, um zwei starke deutsche Armeen zu neutralisieren. Dies war ein, wenn nicht der entscheidende Faktor für den französischen Sieg in der Schlacht an der Marne.

 

 

Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_in_Lothringen

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